Arbeitsgemeinschaft Balneologie, Physiotherapie, Rehabilitation und Akupunktur
in der Frauenheilkunde e. V. in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

Heilmittel

Die Balneotherapie mit den natürlich vorkommenden Heilmitteln wie Peloiden(z. B. Moor, Fango), Heilwässern (z. B. Sole) und Heilgasen (z.B. Kohlensäure) findet auch in der Frauenheilkunde eine größer werdende Bedeutung.
In der Bundesrepublik Deutschland zählen wir zurzeit etwa 280 Kurorte, eingeschlossen heilklimatische und Kneipp-Kurorte. Von diesen Kurorten sind 70 auch sog. Frauenheilbäder, in denen vor allem unter Verwendung von Peloiden und Sole gynäkologische Erkrankungen behandelt werden. Voraussetzung für die Anerkennung als Frauenheilbad ist die Möglichkeit, ortsgebundene natürliche Heilmittel wie Moor, Sole oder Thermalwässer und eine fachspezifische ärztliche Versorgung anbieten zu können.
Neben der operativen und medikamentösen Therapie bilden die Balneotherapie, physikalische Therapie und Rehabilitaion die 3. Säule der therapeutischen Bemühungen in der Frauenheilkunde. Ihr kommt auch eine besondere Bedeutung in der Krebs-Nachsorge und der Rehabilitation wie auch in der Vorsorge in Form von Kräftigungskuren zu.

Moortherapie

Torf gehört zu den Peloiden, sog. Lockersedimente. Man unterscheidet aquatische Lockersedimente (Torfe, Schlämme, Schlicke) und terrestre Lockersedimente, wie Heilerden, Lehm, Mergel, vulkanischer Tuff (Eifelfango). Für die gynäkologischen Balneotherapie haben die Torfe besondere Bedeutung. Man unterscheidet Nieder- und Hochmoortorfe. Moore entstehen aus Pflanzenresten, die durch Sauerstoffmangel in vernässtem Gelände nur unvollständig abgebaut wurden.
Niedermoore liegen im Einflussgebiet des Grundwassers und entstehen vielfach aus verlandeten Seen oder feuchten Senken.
Hochmoore sind auf Niederschläge angewiesen und haben zum Grundwasser keine Verbindung. - Entsprechend ihrer Genese haben die Moore eine unterschiedliche Zusammensetzung in ihren organischen und anorganischen Bestandteilen. Der Wassergehalt liegt bei 90%. Die festen Bestandteile des Moores sind neben Pektinen, Bitumen, Zellulose und Ligninen vor allem Huminstoffe, Huminsäuren und Mineralien. Auch Steroide können in unterschiedlichem Maße in den Mooren enthalten sein.
Den physikalischen Wirkungen kommen beim Aufenthalt in einem Moorbreibad besondere und im Wesentlichen geklärte Bedeutungen zu. lm Einzelnen handelt es sich um Wärme, Auftrieb und hydrostatischen Druck.
Die Wärmeübertragung im Moorbreibad unterscheidet sich von einer Übertragung der Wärme in einem Wasserbad auf den Körper dadurch, dass nur eine konduktive Übertragung der Wärme besteht, so dass höhere Temperaturen über längere Zeit besser toleriert werden können. Die Wärmeübergabe in einem Moorbad ist schonender und zugleich intensiver als in einem Wasserbad.
Ähnlich wie in einem Wasserbad wirken auch in einem Moorbad der Auftrieb und der hydrostatische Druck.
Während den physikalischen Eigenschaften der verschiedenen Moorarten eine gewisse Gemeinsamkeit zuzuschreiben ist, sind die pharmakologischen Eigenschaften unterschiedlich. Sie sind nicht nur abhängig von dem Gehalt an organischen und anorganischen Substanzen, sondern auch von der Resorptionsfähigkeit der Haut, Scheidenhaut und Schleimhaut.
Bei Untersuchungen an glatter Muskulatur konnte gezeigt werden, dass die Kontraktilität beeinflusst wird. Bei einigen Moorarten konnte eine Steroidenwirkung nachgewiesen werden. Durch Moorinhaltsstoffe kann die Leukotriensynthese (Entzündungsmediatoren) und die Prostaglandinsynthese gehemmt werden. Neben zahlreichen anderen Wirkungen blockieren Huminate auch die zellulären Rezeptoren für Herpes- und Papillomaviren.

Um die Bedeutung der Moortherapie in der Praxis aufzuzeigen, werden im Folgenden die verschiedenen Anwendungsformen von Torf, Indikationen und Kontraindikationen sowie Beispiele für die indikationsbezogene Anwendung von Torf am Beispiel der Frauenheilkunde dargelegt.
In der Regel werden Torfapplikationen äußerlich durchgeführt, in der Gynäkologie auch innerlich im Sinne der vaginalen Moortherapie. Äußerliche Applikationen sind Moorbäder und Moorpackungen. Die innerlichen Torfapplikationen können entweder in Form der Trinkmoorapplikation aber auch vaginal oder rektal (früher: Vagimoran®) erfolgen.

Moorbreibäder

Für ein 200-Liter-Moorbad werden etwa 140 kg Frischtorf und 70 l Wasser benötigt.
Moorbreibäder werden als Voll- oder Teilbäder (Arm-, Sitz-, Fußbad, Dreiviertelbad, Zweidrittelbad und Halbbad) angewendet.
Um eine Mehrdurchblutung im Genitalbereich zu erreichen, wird beispielsweise in der gynäkologischen Balneotherapie in der Regel ein Torf-Halbbad appliziert, wobei der Spiegel des Torfbreies etwa 2 Querfinger über Nabelhöhe liegen soll. Nach der Form der Verabreichung des Torfes überwiegen das Moorbreivollbad und das Halbbad.
Die Dauer eines Moorbreibades beträgt 20 bis 30 Minuten. Die Konsistenz des Moorbreies sollte so beschaffen sein, dass ein, in einem Moorbreibad geschriebener Buchstabe, mindestens eine Minute lang sichtbar bleibt (sog. QUENTIN'SCHE SCHRIFTPROBE).
Neben dem klassischen Moorbreibad werden das Moorschwebstoffbad und die Schwarzwassertherapie im balneologischen und kosmetischen Sinne äußerlich und innerlich angewendet.
Die Wannen bestanden früher aus Holz, in moderner Fassung aus Metall oder Kunststoff. Jede Torfbadezelle hatte früher eine zweite Badewanne für das anschließende Reinigungsbad. Heute benutzt man eine Duschvorrichtung. Um den Naturstoff Torf sparsam zu verwenden, werden heute Wannen benutzt, in denen eine dünne Torfschicht den Körper bedeckt. Der Körper ist dabei durch eine Kunststofffolie von einem temperierten Wasserbad getrennt.
Die im Moorbreibad gebräuchlichen Temperaturen zwischen 38° und 45° C führen je nach Badedauer, Badehöhe und Konsistenz des Torfbreies zu Kerntemperatursteigerungen um bis zu 2° C und mehr.
Eine Moorbreibadtemperatur von 39° bis 41° C wird als lauwarme Behandlung bewertet, sie führt zu einer Hauttemperatur von 36,7° bis 37,4° C. Als Überwärmungsbäder werden Moorbreibäder bezeichnet, wenn sie Badetemperaturen von 44° bis 46° C erreichen, die eine Hauttemperatur von 38,6° bis 39,6° C bewirken.

Moorpackungen

Für Ganz- oder Teilpackungen wird Torf pastenartig aufgetragen. Kleinere Spezialrührwerke mit einer indirekten Erwärmungsvorrichtung bereiten einen gut auftragbaren Torfbrei vor. Auch die Ganz- oder Teilpackung wird mit 43° bis 45° C durchgeführt. Der Torf wird mit einer 3-5 cm dicken Schicht auf die Haut aufgetragen und mit Tüchern abgedeckt. Um die Temperatur der Packungen über längere Zeit konstant zu halten, können zusätzlich Wärmeträger Verwendung finden.
In der Gynäkologie wird als Besonderheit die sogenannte Reithosen-Applikation vorgenommen. Die Packung wird mit einer Temperatur von 50° C vorbereitet und erreicht als therapeutische Packungstemperatur 42° bis 47° C. Eine Moorpackung verbleibt etwa 20 bis 40 Minuten am Patienten. In vergleichbarer Konsistenz und in ähnlichen Temperaturbereichen ist die Moorpackung in verschiedenartigen Formen und Abwandlungen seit langem im Einsatz, besonders in der Behandlung des erweiterten rheumatischen Formenkreises sowie bei chronischen Leber- und Gallenleiden. Der Vorteil der Moorpackungen liegt darin, dass sie auch am Wohnort oder in der ärztlichen Praxis angewandt werden können.

Vaginale Moorbreibehandlungen

Neben Moorbreibädern und Moorpackungen werden medizinisch vaginale Moorbreibehandlungen, auch kurortunabhängig verordnet. Letztere eignen sich besonders, um dem inneren Genitale Wärme oder auch Kälte zuzuführen. Darüber hinaus ist die Resorption von Torfbestandteilen durch die Vaginalhaut günstiger als durch die äußere Haut.
Dabei wird 45° bis 50°C aufgewärmter Torf intravaginal als Tamponade appliziert. Mit Hilfe eines an einer Kartusche angebrachten Einführungsrohres, wird der Torf mittels einer Handpistole in die Scheide eingeführt. Ein über das Einführungsrohr gezogener poröser Strumpf verbleibt, mit dem Torf gefüllt, als Tampon in der Scheide. Die Patientinnen entfernen das Torftampon nach 2-4 Stunden selbst. Eine Applikation beinhaltet 100-150 g Torfbrei. Bei bestimmten Indikationen (z.B. pelvic congestion) kann das Torftampon auch kalt (4°C) oder mit Zimmertemperatur angewendet werden.
Die intrakorporale Applikation ermöglicht eine intensivere Erwärmung des kleinen Beckens als ein Bad. Die Vagina besitzt sehr wenig Wärmerezeptoren, so dass die bis 50° C heiße Torftamponade meistens als angenehm empfunden wird.
Die lokale Wärmewirkung steht im Vordergrund. Sie erhöht die Durchblutung im Genitale und in seinen benachbarten Organen, wie Rektum und Blase.
Eine damit verbundene trophotrope Umstellung der FRANKENHÄUSERSCHEN neurovegetativen Ganglien mit konsensualen und axonalen Reflexen führt zu einer Vasodilatation in benachbarten Organen und auch im Bereich der Arteria iliaca interna. Noch nach 24 Stunden wird eine 50-%ige Steigerung der Durchblutung der A.uterina gemessen.
Anwendungsgebiete der vaginalen Moortherapie sind, neben der chronischen Salpingitis, verschiedene Formen der Sterilität, Ovarinsuffizienz und Ovarzysten, Adhäsionen und die postoperative Nachbehandlung zur Adhäsionsvorbeugung.

Rektale Torfanwendungen

Der Torfbrei wird hierbei direkt in das Rektum eingeführt. Die Methode ist mit der Methode der vaginalen Applikation vergleichbar. Bei der rektalen Torfapplikation wird mit 46° bis 48° C therapiert. Der Torfbrei wird mit Hilfe eines mit Gleitmittel beschichteten Einwegeinsatzes ohne Perlonstrumpf in das Rectum eingeführt.
In das Rektum wird Torf eingeführt, wenn eine vaginale Applikation nicht möglich ist, z.B. nach einer Hysterektomie, weil das hintere Scheidengewölbe noch nicht verheilt ist. Bei Patientinnen, die zur Adhäsionen neigen, kann unmittelbar nach der Operation rektal eine Anwendung durchgeführt werden.

Torfersatzstoffe

Es werden auch Lösungen aus Torf und Huminstoffen medizinisch verwendet. Hierzu gehören u.a. die Huminsäure-, die Moorlaugen-, Moorextrakt- und Moorsuspensionsbäder, die ein nicht breiförmiges Medium vorhalten. Es findet somit keine konduktive Wärmeübertragung statt.
Von den Lösungen bringen Zentrifugate und Presssäfte des Torfes noch die größten Vorteile, da die Torfinhaltsstoffe erhalten bleiben. Bei chemischer Bearbeitung durch Extraktion mit Öl, Alkohol oder Benzin-Derivaten und unter Einwirkung hoher Temperaturen kann es zur Denaturierung wichtiger organischer Stoffe kommen. Die Kombination von Torf mit Paraffin ist keine Torfbehandlung im eigentlichen Sinne. Der Wirkungsmechanismus dieser Anwendung gleicht der Wirkung reinen Paraffins.

Eine neue Sichtweise zur Wirkung und Wirksamkeit von Badetorf

In der Badetorfforschung mangelt es an wissenschaftlich gut abgesicherten Studien zur Beurteilung der therapeutischen Wirksamkeit.
Dies liegt auch daran, dass die Kenntnisse zu den Torfvarietäten und ihren Veränderungen während des Humifizierungspfades in chemophysikalischer Hinsicht bisher nur von allgemeiner Natur sind. Diese Kenntnislücke könnte man aber schließen, indem man systematisch die verschiedenen Torfarten, wie sie in deutschen Heilbädern eingesetzt werden, auch entsprechend ihrer Indikationen biochemisch klassifiziert und durch gezielte Analysen untermauert. Dann böte sich auch die Möglichkeit, die Torfe gezielt therapeutisch anzuwenden. Auf der Empirie gründende Auffassungen wie jene, wonach Hochmoortorfe v.a. für die Behandlungen von gynäkologischen Erkrankungen, Niedermoortorfe für Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis am besten geeignet sein sollen, könnte man durch zielführende Untersuchungen aufheben oder bestätigen.
Ein wesentliches künftiges Aufgabenfeld der Torfforschung ist daher die Einführung von Kriterien, um die verschiedenen pharmakologischen Eigenschaften, der in den Heilbädern verwendeten Torfarten, abschätzen zu können. Diese Qualitätskriterien sollen nach ihrer Erarbeitung zu einer Erweiterung der bisher üblichen Peloidanalyse führen und Grundlage für eine selektive Moortherapie sein.

Wie kommt es zu solchen Forderungen?

Die Naturheilkunde nutzt sowohl physikalische als auch chemische Wirkungen ihrer Naturheilmittel. Unter Torf versteht man ein Naturheilmittel das im Hinblick auf seine Wirkungen und therapeutische Wirksamkeit traditionell als eine einheitliche Substanz mit einer einzigen Wirkungsrichtung, seiner thermischen Wirkung, gesehen wurde, unabhängig von der individuellen Herkunft und der chemischen Zusammensetzung. Für diese traditionelle Sichtweise gibt es verschiedene Gründe. Ein Hauptgrund dürfte sein, dass die thermophysikalischen Eigenschaften von Torf gut zu untersuchen sind und jede Torfart, unabhängig von ihrem Humifizierungsgrad und anderen Faktoren, vergleichbare thermophysikalische Eigenschaften besitzt. Ein anderer Grund könnte darin liegen, dass die moderne Moortherapie erst 200 Jahre alt ist und die Erfahrungen zu Wirkungen und Wirksamkeit, im Vergleich zur Therapie mit Heilpflanzen, noch nicht in ähnlichem Umfange vorliegen.
Während sich die Torfe in ihren thermophysikalischen Effekten also nicht wesentlich unterscheiden, ist dies im Hinblick auf die chemischen Wirkungen vollkommen anders zu bewerten. Die einzelnen Torfarten, welche ja komplexe Vielstoffgemische sind, unterscheiden sich deutlich in ihrer chemischen Zusammensetzung, da diese von der Entstehungsstätte, der pflanzlichen Ausgangssubstanz, der Humifizierungsstufe und einer Reihe von Umweltfaktoren abhängig sind. Seit etwa 50 Jahren finden sich in der Literatur Hinweise auf chemische Torfwirkungen, die nicht ausschließlich mit den thermophysikalischen Besonderheiten zu erklären sind. Zu ihnen zählen u.a. antibakterielle, antivirale, antiphlogistische, immunmodulatorische, antiinflammatorische Wirkungen und die Beeinflussung der spontanen Kontraktilität der glatten Muskulatur.

Pharmakologische und chemische Wirkungen von Torf

Pflanzen und Torfen ist gemeinsam, dass sie Vielstoffgemische sind, deren pharmakologische Eigenschaften naturgemäß schwer zu untersuchen sind.
Eine Besonderheit des Naturstoffes Torf sind die ablaufenden Humifizierungsprozesse, so dass die im Torf befindlichen Pflanzen - sie stellen den Hauptanteil der Torfinhaltsstoffe dar - in Kombination mit den ebenfalls dort befindlichen Mineralen und Metallen ständigen Veränderungen unterliegen, wobei nachgewiesen werden konnte, dass die pflanzlichen Stoffgruppen durch den Humifizierungsvorgang meist keine wesentlichen Veränderungen im Hinblick auf die Wirksamkeit erfahren. Da viele unterschiedliche Pflanzen im Torf vorliegen, kann davon ausgegangen werden, dass die Torfinhaltsstoffe interessante, und zwar verschiedenartige pharmakologische Eigenschaften besitzen. Die Klassifikation der Heiltorfe erfolgt konventionell auf der Grundlage der geobotanisch-petrographischen Nomenklatur. Torfgeologen und Moorbotaniker unterscheiden ca. 30- 50 verschiedene Torfarten nach der geobotanisch-petrographioschen Art der Ausgangssubstanz. Die bei der Genese hinzukommenden Unterschiedlichkeiten kommen als Humifikations- oder Inkohlungs-Merkmale hinzu, beeinflussen aber die Typendifferenzen nicht.
Die zunehmende Erkenntnis über die pharmakologischen Torfwirkungen erfordert - zumindest für die klinische Betrachtungsweise - eine Erweiterung der geobotanischen-petrographischen Unterscheidungsmerkmale mittels der Charakterisierung der Torfe als Substanzen, die, vergleichbar den einzelnen Heilpflanzen, individuelle Wirkungen zeitigen.
Wird der Badetorf aus traditioneller thermophysikalischer Sicht als einheitliche Wirkung,ohne Unterschiede in den einzelnen Badetorfarten gesehen, würde dies im übertragenen Sinne bedeuten, dass man von einer einzigen „Heilpflanze“ spräche, die gleichzeitig alle pharmakologischen Eigenschaften, die therapeutisch notwendig sind, beinhaltete.
Vom pharmakologischen Standpunkt ist davon auszugehen, dass sich alle Torfarten bezüglich ihrer chemischen Wirkungen unterscheiden.
Der Grund dafür, dass die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten zu den chemischen Wirkungen, die von Ärzten und Therapeuten immer wieder postuliert werden, unterschiedliche Aussagen hervorgerufen haben, liegt daran, dass die Wirksamkeitsuntersuchungen mit Gemischen aus verschiedenen Torfarten durchgeführt wurden und damit die Unterschiede in den chemischen Wirkungen der darin enthaltenen Torfvaritäten gar nicht bemerkt werden konnte.
Im übertragenden Sinne könnte man diesen Mangel in der Logistik wie ein Versäumnis betrachten, das man aufheben könnte, wenn man die verschiedenartigen Torfarten, wie unterschiedliche Heilpflanzen individuell betrachten würde. Eine bestimmte Torfvarietät entspräche damit einer einzelnen „Heilpflanze“ mit ihren ganz individuellen und besonderen Eigenschaften. Der aus den verschiedenen Torfvarietäten zusammengemischte Badetorf entspräche dann gewissermaßen einem „Kräutersee“ aus verschiedenen Heilpflanzen mit ihren unterschiedlichen Inhaltsstoffen.
Dies würde bedeuten, dass beispielsweise aus Kamillenextrakt, ebenso wenig dopaminerge Substanzen isoliert werden könnten, wie das Azulen aus dem Keuschlamm (Agnus castus). Abbildung 1 zeigt, wie man sich dies vorstellen könnte.


      Abb: 1: Die Vielstoffgemische Pflanzen und Torf im Vergleich
Wenn demnach aus der chemischen Zusammensetzung der verschiedenen Torfarten unterschiedliche pharma­ko­lo­gische Eigenschaften resultieren, und wenn jede einzelne Torfart - so wie jede Heilpflanze - ein Unikat mit besonderen charakteristischen Eigenschaften darstellt, dann ist es unumgänglich, von jeder Torfmischung, die für medizinische Zwecke angewendet wird, eine Untersuchung auf ihre pharmakologischen Eigenschaft hin durchzuführen.
Hinzu kommt folgendes:
So wie in der Phytopharmakologie die Extraktherstellung eine wesentliche Rolle spielt, so muss bei der Vorbereitung von Torfbrei für klinische Anwendungen ebenfalls die Vorbereitungstechnologie in Betracht gezogen werden, zumal Studien zeigen konnten, dass die pharmakologischen Eigenschaften hierdurch beeinflusst hierdurch werden.

Solche Studien zum Nachweis chemischer und pharmakologischer Wirkungen wurden - unter Ausschluss aller thermischen Effekte -, mit wässerigem Torfextrakt am Modell der glatten Muskulatur durchgeführt. Diese eignet sich als ein hochempfindlicher Indikator („Sensor“) auch ohne die genaue Kenntnis der chemischen Zusammensetzung und der Konzentrationen von Torfinhaltsstoffen für derartige Fragestellungen. Zudem besitzen die Muskelfasern eine Vielzahl von Rezeptoren für biologisch aktive Substanzen, die schon bei Konzentrationen im Nanomol-Bereich (10-9 M) reagieren. Die Methodik der Messungen an der glatten Muskulatur ermöglicht es auch, in Kombination mit der HPLC-Methode und unter Einbeziehung von Kammersystemen, eine Permeation biologisch aktiver Torfinhaltsstoffe durch Humanhaut als eine wesentliche Voraussetzung für deren Wirkung im Organismus nachzuweisen.
Es ist zunächst unumgänglich, den Torf auf einen bestimmten biologischen Effekt hin zu untersuchen und in der Folge zu überprüfen, in wieweit die Permeate diese charakteristischen Eigenschaften noch besitzen.
Der wässerige Torfextrakt mit seinen im Vorfeld charakterisierten biologischen Substanzen wird in-vitro der vitalen Humanhaut angeboten, und die erhaltenen Permeate werden im Anschluss mittels der HPLC-Methode in Fraktionen aufgetrennt. Diese Untersuchungen belegen erstmals, dass die menschliche Haut eine selektive Permeabilität für Torfinhaltsstoffe besitzt und dass wasserlösliche organische und biologisch aktive Torfsubstanzen in für eine Wirkung ausreichenden Konzentrationen durch die menschliche Haut permeieren. Da man davon ausgehen kann, dass sich in einem Moorbreibad (Temperatur ca. + 41° C, Badezeitraum ca. 20 Minuten) die Hautporen öffnen, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass Torfinhaltsstoffe, und hierbei genügen schon Konzentrationen im Nanogrammbereich, in den Organismus gelangen und dort eine biologische Aktivität entfalten können.

Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungsreihen lässt sich ableiten, dass die Badetorfforschung künftig als ein eigenständiges pharmakologisches Forschungsgebiet, neben ihrer bedeutenden Position in der Balneologie, zu bezeichnen ist.

Notwendigkeit der Qualitätssicherung

Vor diesem Hintergrund ist die Einführung von Qualitätskriterien ein künftiges wesentliches Aufgabenfeld der Torfforschung. Diese Kriterien sollen nach ihrer Erarbeitung zu einer Erweiterung der bisher üblichen Peloidanalyse (Deutscher Bäderverband e.V. und Deutscher Fremdenverkehrsverband e.V. 1991) führen.

Heilwässer

Natürliche Heilwässer sind Quellwässer, die einen Mindestgehalt von 1 g Mineralien pro Liter haben. Durch Heilwasser­analysen und deren Kontrollen in zweijährigen Abständen wird die chemische Zusammensetzung der Wässer bestimmt. Durch Gutachten eines anerkannten Balneologen ist der Nachweis der Eignung zu Heilzwecken zu führen. Die Wirkung der Heilwässer beruht im Wesentlichen auf ihrem Gehalt an Mineralien.
Heilwässer, die von Natur aus eine Temperatur von 20° C und mehr haben, werden als „Therme“ bezeichnet. Wässer, die in einem Liter über 5,5 g Natrium- und 8,5 g Chloridionen enthalten, dürfen die Bezeichnung „Sole“ führen.
Solebäder werden als Sitz-, Halb- oder Vollbäder mit einer Temperatur von 36 bis 40° C für eine Dauer von 10 bis 20 Minuten verordnet. Ihnen wird eine vegetative Wirkung zugeschrieben.
Vaginale Soleirrigationen erfolgen über Glasbirnen (Pinkusbirne und Abdichten der Scheide mit Vaseline) mit einer 2- bis 4%-igen Sole bei einer Temperatur von 40 bis 44° C.

Heilgase

In der Frauenheilkunde hat nur die Anwendung von Kohlensäure (CO2-Gas) besondere Bedeutung. Sie wirkt durch lokale Vasodilatation und Reizung der Wärmerezeptoren der Haut, wodurch ein angenehm warmes Gefühl entsteht. Durch die Vasodilatation werden der periphere Gefäßwiderstand und die Herzbelastung vermindert sowie ein gering erhöhter Blutdruck normalisiert. Herzbeschwerden können vermindert werden. Oft kommt es auch zu einer Steigerung der Harnausscheidung. Die Verbesserung der Hautdurchblutung und die Sauerstoff-Anreicherung des Blutes begünstigen das Abheilen chronischer Geschwüre und dienen der Dekubitusprophylaxe.
Kohlensäure wird auch als CO2- Wasserbad genutzt. Bis zu 50 ml CO2 können pro m2 Hautoberfläche in der Minute resorbiert werden. Die CO2-Konzentration in einem Wasserbad ist im kalten Bereich am höchsten. Eine Wasserbehandlung sollte 15 bis 20 Minuten dauern, während die Badetemperatur von 33 auf 28° C abgesenkt werden kann. Es ist darauf zu achten, dass das über der Wasseroberfläche stehende CO2- Gas nicht eingeatmet wird.
Demgegenüber hat die geschlossene CO2- Gasbehandlung erhebliche Vorteile, da sie einfacher durchzuführen und ungefährlicher ist. Der gesamte Körper unter Auslassung des Kopfes und eventuell einzelner Körperteile wird in einem Plastiksack gebracht, in den CO2-Gas eingeleitet wird. Eine Intoxikation ist hierbei durch Abdichten ausgeschlossen. Durch das sich unter der Plastikfolie ansammelnde Verdunstungswasser entsteht eine vermehrte Hydratation der Haut, wodurch die CO2-Resorption verstärkt. Vorteil dieses Verfahrens ist die leichte Anwendung auch bei Behinderung und Bettlägerigen wie auch bei bekleideten Patienten.